Divestment in Münster – Unser Erfolgsrezept

Kurz bevor die Stadt Münster ihren Divestment-Beschluss final gemacht hat, haben wir uns von Fossil Free Münster mit den Menschen getroffen, die diesen theoretischen Beschluss in die Tat umsetzen werden. Zwei Mitarbeiter von den Abteilungen Finanzen & Beteiligungen und Stadtkasse – Zahlungsverkehr, haben sich eine ganze Stunde für uns Zeit genommen, um uns die Hintergründe ihrer Arbeit in Bezug auf Divestment zu erläutern.

Insgesamt hält die Stadt 460 Mio Euro als Pensionsrückstellungen, also für die Rente ihrer Beamt*innen und Angestellten. Davon sind 22 Mio Euro in zwei Fonds investiert, also direkt in Aktien.

Im Dezember 2014 wurde nun vom Stadtrat Münster beschlossen, dass die kommunalen Gelder nicht mehr in klimaschädliche Industrien, Atomenergie, Waffenindustrie, Kinderarbeit und andere unethisch und unökologische Aspekte investiert würden. Die Grünen hatten es geschafft, durch die Anregungen der Fossil Free Gruppe Münster, diese Forderungen in den Koalitionsvertrag mit der SPD einfließen zu lassen.

Nun lag es an der Verwaltung und den Finanzexpert*innen der Stadt Münster, das Divestment umzusetzen. Dazu strengten sie eine Reihe von Recherchebemühungen an: allgemein zu den Themen ethisch-ökologische Langzeit- und Kurzzeitinvestments, Banken, Ausschlusskriterien, Best-in-Class Ansatz, und vieles mehr. Um schnell konkret zu werden setzten sich die Mitarbeiter mit den zwei Fondsgesellschaften, der DEKA Bank und den Meriten, auseinander, die für die Verwaltung der Fonds zuständig sind.

Sie diskutierten mit den Fondsgesellschaften mögliche Alternativen bei den langfristigen Geldanlagen wie den Pensionsfonds. Es stellte sich heraus, dass unnachhaltige Firmen nur effektiv ausgeschlossen werden können, wenn der Best-in-Class Ansatz mit jeweils einer Negativ- und Positivliste kombiniert wird. Ähnlich sind auch Fondsmanager bei der Evangelischen Kirche vorgegangen, um Nahrungsmittelspekulationen, Waffen oder Atomenergie aus ihren Investments auszuschließen.

Bei der Recherche der Finanzverwaltung hat sich herausgestellt, dass die Wahrscheinlichkeit von Gewinneinbußen durch nachhaltige Fonds sehr gering ist. Es gibt sowohl ethisch-ökologische Finanzprodukte die eine 0,45% geringere Rendite erwirtschaften als auch Fonds die überdurchschnittlich abschneiden. Es kommt also auf das Können der Fondsgesellschaften an, wie das Ergebnis für Münster ausfallen wird.

Das Wunderbare: Durch die Änderung der Fondszusammensetzung durch Meriten, sind sechs weitere Kommunen betroffen. Im Oktober werden die Kommunen Bochum, Bielefeld, Bottrop, Hagen, Herne und Osnabrück sich entscheiden müssen, ob sie die Umstrukturierung mitmachen wollen oder nicht. Sollten sie sich quer stellen, wird Münster einen eigenen, neuen Fonds aufsetzen (was höhere Verwaltungskosten mit sich führen würde). Bei einer positiven Entscheidung wird allerdings der neue ethisch-ökologische Fonds für alle sieben Kommunen gelten. Das wäre ein riesiger Erfolg!

Die Mitarbeiter der Stadtkasse gehen noch weiter: „Das Thema bleibt zukünfig auf der Agenda, wenn sich Möglichkeiten auftun, werden wir sie nutzen.” Mit den Möglichkeiten sind vor allem kurzfristige Investitionen gemeint wie Tagesgeldkonten, andere Konten und Geldmarktfonds mit Mindestverzinsung.

Münster macht dabei, wie die meisten Kommunen, eine Risikostreuung, indem sie die Dienste unterschiedlicher Banken nutzt. Nun entsprechen nur wenige Banken den Nachhaltigkeitskriterien, die nun in Münster gefordert sind. Laut Recherche der Verwaltung sind das die PBB Direktbank, die Triodosbank, Ethikbank, GLS Bank und die Bank für Kirche & Diakonie.

Viele dieser Banken bedienen allerdings nur Privatkunden. Institutionelle Investoren können die in der Regel kleinen Banken oft noch nicht aufnehmen. Wenn das doch möglich ist, so ist die Einlagensicherung von nur etwa 100.000 Euro zu gering für eine Stadt wie Münster, die eine treuhänderische Pflicht gegenüber ihren Bürgern hat.

Trotzdem halten die Mitarbeiter der Finanzverwaltung ihre Augen offen, stehen in Kontakt mit dem Forum für Nachhaltige Geldanlage und wollen die Divestmentstrategie in ihre Netzwerke streuen.

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