Wie weiter mit den RWE-Aktien? Fossil Free Münster trifft LWL-Direktor Löb

25.01.19, Münster. Vergangenen Montag haben sich Vertreter*innen von
Fossil Free Münster im LWL-Landeshaus mit Matthias Löb, dem Direktor des
LWL getroffen und über die Zukunft der LWL-eigenen RWE-Aktien
gesprochen.

Fossil Free Münster betonte die Bedeutung, die der Verkauf der
RWE-Aktien hätte. Der LWL würde so nicht nur ein Zeichen für den
Klimaschutz, sondern auch ein Signal an alle weiteren Kommunen senden,
die noch immer RWE-Aktien hielten und so die Klimakrise mitfinanzierten.
Die 130 Millionen Euro Finanzvolumen, welche die RWE-Aktien des LWL
umfassten, müssten sinnvoller angelegt werden. Der LWL habe als
öffentliche Einrichtung die Pflicht, den Klimaschutz voranzutreiben,
anstatt ihn durch eine RWE-Beteiligung zu untergraben.

LWL-Direktor Matthias Löb zeigte sich einem Verkauf der RWE-Aktien
zugewandt, lenkte den Blick aber auf das demokratische Verfahren
innerhalb des LWL. Auch wenn mittlerweile zahlreiche Kommunen,
Stiftungen und Versicherungen Aktien von klimaschädlichen Unternehmen
ablehnten, seien noch nicht alle politischen Fraktionen in der
Landschaftsversammlung von der Sinnhaftigkeit eines Aktienverkaufs
überzeugt. Löb betonte, dass er sich in der verbandsinternen
Argumentation auf finanzpolitische Erwägungen konzentriere: Er empfehle
einen Verkauf schon deswegen, weil ein Investment von 130 Millionen
Euro in die Aktien eines einzigen Unternehmens per se eine
risikobehaftete Einzelanlagestrategie darstelle. Sicherer sei es, die
Vermögensanlage breit zu streuen, so Löb. Außerdem sei der Einfluss des
LWL auf die Unternehmenspolitik von RWE zu gering, um damit das Halten
der RWE-Aktien zu rechtfertigen.

Löb erläuterte weiter, dass er auf Wunsch der politischen Gremien
derzeit einen Vorschlag erarbeite, für welche Zwecke ein evtl.
Veräußerungserlös verwendet werden sollte. Auch dies werde in den
politischen Meinungsbildungsprozess mit einfließen. Der Implementierung
von eigenen ökologisch nachhaltigen Anlagerichtlinien stand er skeptisch
gegenüber. Stattdessen lenkte er den Blick auf die EU-Ebene. Dort würde
derzeit die Idee eines „Labels“ für Finanzprodukte verfolgt, die
ökologische und soziale Kriterien in den Vordergrund stellten. Dies
könne auch für den LWL ein sinnvoller Orientierungspunkt in Sachen
zukünftige Anlagekriterien sein.

Leandra Praetzel von Fossil Free Münster kommentiert das Gespräch: „Wir
freuen uns, dass Matthias Löb unser Anliegen unterstützt, jedoch
wünschen wir uns eine wesentlich größere Entschlossenheit im
Verkaufsprozess. Die Klimakrise ist ein dringendes Problem, deshalb
sollte der LWL visionär vorangehen, anstatt die Verantwortung auf höhere
Ebenen abzuschieben. Deshalb werden wir das Verfahren weiterhin kritisch
begleiten und laden alle Menschen in Münster ein, es uns gleichzutun.“

Auf dem Foto v.l.: Gustav von Blanckenburg, Leandra Praetzel, Jörg
Rostek (alle Fossil Free Münster) mit Matthias Löb (LWL-Direktor).

Der LWL im Überblick:
Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) arbeitet als
Kommunalverband mit mehr als 17.000 Beschäftigten für die 8,3 Millionen
Menschen in der Region. Der LWL betreibt 35 Förderschulen, 21
Krankenhäuser, 18 Museen, zwei Besucherzentren und ist einer der größten
deutschen Hilfezahler für Menschen mit Behinderung. Er erfüllt damit
Aufgaben im sozialen Bereich, in der Behinderten- und Jugendhilfe, in
der Psychiatrie und in der Kultur, die sinnvollerweise westfalenweit
wahrgenommen werden. Ebenso engagiert er sich für eine inklusive
Gesellschaft in allen Lebensbereichen. Die neun kreisfreien Städte und
18 Kreise in Westfalen-Lippe sind die Mitglieder des LWL. Sie tragen und
finanzieren den Landschaftsverband, dessen Aufgaben ein Parlament mit
116 Mitgliedern aus den westfälischen Kommunen gestaltet.

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