Kein Konsens! Klimaaktivist*innen blockieren Ludgeristraße und fordern schnelleren Kohleausstieg

04.02.2018, Münster. Als Reaktion auf den vergangenen Samstag veröffentlichten Bericht der sogenannten „Kohlekommission“ haben am heutigen Montag ca. 60 Klimaaktivist*innen die Ludgeristraße blockiert.

Die Initiativen Fossil Free Münster und Ende Gelände Münster hatten im Rahmen einer bundesweiten Aktionswoche angesichts des erstaunlich schwach ausfallenden Ergebnisses der „Kommission für Wachstum, Strukturwandel und Beschäftigung“ zu der Blockade aufgerufen. „Wir hatten keine Erwartungen an die Kommission und sind trotzdem enttäuscht“, so Aktivist Gustav von Blanckenburg. „Ein Ausstiegsdatum im Jahr 2038 ist vollkommen inakzeptabel.“ In Anlehnung an die häufig „KoKo“ genannte Kohlekommission laute dementsprechend auch das Motto der Blockade „So ein KoKoLores!“ Laut Klima-Expert*innen müsse der Kohleausstieg bis spätestens 2030 erfolgen, um die Erderwärmung auf 1,5°C zu begrenzen, so von Blanckenburg.

Die Aktivist*innen ließen bei der Blockade der Straße zwei Durchgänge frei, bei deren Durchlaufen sich die Passant*innen positionieren sollten. Die Überschrift des einen Durchgangs hieß „Ich bin für echten Klimaschutz“, während die andere „Klimaschutz geht mir am Arsch vorbei“ lautete. Je nachdem, welcher Durchgang gewählt wurde, kommentierten die Aktivist*innen lautstark mit Jubel oder Seufzen. „Die Zeit ist reif, dass sich jede*r von uns in dieser Debatte  positionieren muss. Sonst fällt die Politik nie die notwendigen Entscheidungen“, so von Blanckenburg.

Der Aktivist kritisierte weiter, dass der Bericht das Ausstiegsszenario viel zu unkonkret halte, keine Sicherheiten biete, den Hambacher Wald und von der Abbaggerung bedrohte Dörfer zu erhalten und zudem auch noch die Energiekonzerne entschädige für den Kohleausstieg. „Jahrzehntelang hat die Kohleindustrie auf Kosten unser aller Zukunft milliardenschwere Profite gemacht. Anstatt dass sie nun auch für die Folgeschäden der Kohleverbrennung zur Verantwortung gezogen wird, bekommt sie Milliarden an Steuergeldern für den viel zu lange hinfälligen Ausstieg  hinterhergeschmissen. Die Kohlekommission entlarvt sich so selbst als Geisel der Kohlelobby.“

In den letzten Wochen waren bundesweit zehntausende Schüler*innen und Studierende für echten Klimaschutz auf die Straße gegangen. Aktuelle Umfragen hatten zudem ergeben, dass 60 % der Deutschen einen schnellstmöglichen Kohleausstieg befürworten. Den Beschluss der Kohlekommission als Konsens zu bezeichnen, sei daher schlichtweg falsch.

„Was muss denn noch alles passieren, damit die Bundesregierung endlich der Situation angemessen entscheidet?“ fragt von Blanckenburg. „Die Klimakrise kennt keine Kompromisse! Wir gehen weiter auf die Straße, leisten Widerstand und zivilen Ungehorsam und rufen alle Menschen dazu auf, es uns gleich zu tun!“

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