Carbon Bubble

Der Begriff „carbon bubble“ (dt. Kohlenstoffblase) bezeichnet das erhebliche Ausfallrisiko in den Bilanzen von Unternehmen der fossilen Brennstoffindustrie und den deshalb zu erwartenden Kursverlust. Weltweit gehen Analysten und Wirtschaftswissenschaftler davon aus, dass in den Bilanzen der 200 größten Öl- Gas- und Kohlekonzerne bereits heute 765 Gigatonnen (Gt.) des Treibhausgases CO2  in Form von konkreten Förder- und Abbaurechten eingestellt (aktiviert) sind. Soll jedoch eine realistische Chance bleiben, die Erderwärmung in den kommenden 90 Jahren auf 2° Celsius zu beschränken, dürfen bis zum Jahr 2050 noch höchstens 565 Gt. CO2 in die Atmosphäre abgegeben werden. Die Menschheit emittiert derzeit jährlich über 30 Gt. CO2, Tendenz stark steigend. Obwohl über die bereits eingepreisten Vorkommen hinaus weitere 2.200 Gt. CO2 in Form von Kohle, Öl und Gas lokalisiert sind, gibt allein Exxon Mobile täglich 100 Millionen Dollar für die Erschließung von immer mehr fossilen Vorkommen statt für erneuerbare Energieerzeugung aus.

Wenn der gefährliche globale Klimawandel begrenzt werden soll, müssen über 80% der heute schon bekannten Reserven unter der Erde bleiben („unburnable carbon“). Wird dies durchgesetzt, rechnet die Bank HSBC mit einem Bilanzrisiko von etwa 1,5 Billionen Dollar (1.100 Milliarden Euro) für die 200 weltweit größten Unternehmen. Zum Vergleich: Die Bank Lehman Brothers, die mit ihrer Insolvenz die weltweite Finanz- und Währungskrise ausgelöst hat, hatte in ihrem letzten Geschäftsbericht für 2007 einen Umsatz von 59 Milliarden Doller (43 Milliarden Euro) ausgewiesen.

Es wird vermutet, dass die Kohlenstoffblase mit einem Mal platzen kann, wenn Anlegern das erhebliche Risiko in ihren Portfolios bewusst wird. Neben den Institutionen, die weltweit aus ethischen und ökologischen Motiven fossile Unternehmensbeteiligungen und Aktienfonds verkaufen („desinvestieren“), haben auch erste Großanleger und Pensionsfonds begonnen, ihre Verlustrisiken durch den Verkauf gefährdeter Anleihen („stranded assets“) zu verringern.

Erläuterung

Die obere rote Linie bezeichnet das Gesamtbudget CO2 bis 2050 (886 Gt.). Davon wurden in den ersten 11 Jahren dieses Jahrtausends bereits 321 Gt. verbraucht (etwa 30 Gt./Jahr; Kreis „Already burnt“). Es verbleiben 565 Gt. bis zum Jahr 2050 („Remaining“). Zum Vergleich sind rechts davon die weltweit verzeichneten CO2-Vorkommen je nach Energieträger dargestellt. Das Maximalbudget wurde unter internationaler Beteiligung vom Potsdam Institut für Klimafolgenforschung errechnet und 2009 in der Fachzeitschrift „Nature“ veröffentlicht (siehe Link).

Meinshausen et al. Greenhouse-gas emission targets for limiting global warming to 2°C. Nature (2009)