Hauptversammlung RWE April 2014

Zusammen mit dem Dachverband kritischer Aktionärinnen und Aktionäre und urgewald e.V. haben wir bei der Hauptversammlung gegen die zerstörerische Geschäftspolitik des größten europäischen CO2-Verursachers demonstriert, und Stellungnahmen an den Vorstand, dessen Vorsitzenden Peter Terium und an den Aufsichtsrat gerichtet.

20 Aktivistinnen und Aktivisten aller Altersgruppen haben RWE gemeinsam mit Betroffenen aus den Abbaugebieten in Südafrika und in den USA, aus denen der Konzern Steinkohle bezieht, die rote Karte gezeigt.

Jürgen Doeschner (WDR) kommentierte die Hauptversammlung und das Konzept des RWE Vorstands mit „Energie-Riese auf archaischem Kurs„.


Viele Rednerinnen und Redner haben das Vorgehen des Konzerns aus diversen Blickwinkeln angegriffen. Unser Wortbeitrag behandelte die Frage der Generationengerechtigkeit:

Sehr geehrte Aktionärinnen und Aktionäre, liebe Eltern!

Vor einigen Wochen bin ich 30 geworden und in den vergangenen 12 Jahren seit meinem Abitur wurde das gesamte Elbtal nun schon zweimal von vermeintlichen Jahrhunderthochwassern überschwemmt; ist ein Atomkraftwerk explodiert, das bis heute in den Pazifik ausläuft; sind 800 Millionen Liter Erdöl in den Golf von Mexiko gesprudelt; hat „Katrina“ New Orleans verwüstet und „Hayan“ die Philippinen, und ist in Südengland binnen weniger Tage mehr Regen gefallen als sonst in einem ganzen Jahr. Seit meiner Geburt ist das Sommereis der Arktis um die Hälfte zurückgegangen, und hat sich der jährliche Gletscherschwund verdreifacht.

Wegen der Versäumnisse der vergangenen 40 Jahre geht es heute gar nicht mehr darum, den Klimawandel zu verhindern, der ist schon längst in vollem Gange! Heute können wir nur noch versuchen, das Schlimmste abzuwenden. Und wer hat uns das Ganze eingebrockt? Wer hat den Klimawandel immer weiter und weiter befeuert mit dreckiger Braun- und Steinkohle, mit erdölbetriebenen Autos und Flugzeugen? Es sind solche Menschen wie sie auch schon immer im Vorstand von RWE sitzen: weiße Männer zwischen 50 und 60 aus dem globalen Norden. Es sind die reichen Väter, die diesen Planeten gnadenlos in den Abgrund treiben und uns, ihren Kindern und Enkeln, jede Zukunft nehmen.

Vor über 40 Jahren schrieb der Club of Rome über die Grenzen des Wachstums, der zerstörerische menschliche Einfluss auf das Weltklima ist schon viel länger nachgewiesen. 1992 fand in Rio die erste internationale Klimakonferenz statt. Da waren Sie, Herr Terium, so alt wie ich heute. Aber bis heute produziert allein RWE Jahr für Jahr über 160 Millionen Tonnen CO2; das ist mehr als Peru, Kolumbien und Chile zusammen. Noch immer vergiftet RWE die Atmosphäre mit Schwefelgasen, zerpflügt ganze Landstriche für Braunkohle und produziert viele Tonnen radioaktiven Mülls, der auf Jahrmillionen strahlen wird.

Herr Terium, sagen Sie nicht, Sie wüssten nicht, welche katastrophalen Folgen Ihre Entscheidungen für uns alle haben werden! Sagen Sie nicht, Sie würden die Zerstörungskraft dieser kohlenstoffbasierten Uralt-Technik nicht kennen. Jene Technik, die Unternehmen wie RWE immer noch wie selbstverständlich einsetzen und von der Politik einfordern als gäbe es kein Morgen!

Doch es gibt ein Morgen und dieses Morgen gehört uns! Wir sind Eure Kinder und wir fordern unser Recht, in Zukunft auf diesem Planeten leben zu können, auch wenn es Euch irgendwann nicht mehr gibt! Wir wollen von Euch eine Atmosphäre bekommen, die im Gleichgewicht ist! Wir wollen eine Welt, auf der es weiterhin genug Nahrung für alle geben kann; auf der wir ohne Angst vor menschengemachten Unwettern leben können und die den Tieren ihren natürlichen Lebensraum bietet. Es ist das Recht meiner Generation, selbst einmal Kinder in einer Welt großziehen zu können, die noch lebenswert ist! Wir wollen keinen überhitzten Wüstenplaneten und dagegen werden wir kämpfen!

Doch das nehmen Sie, meine Herren Vorstandsvertreter, alles nicht ernst. Die Zukunft des Planeten und die Ihrer eigenen Kinder ist Ihnen egal. Alles was für Sie zählt, ist der schnelle Profit. Statt ihre veralteten Geschäftskonzepte wirklich zu überdenken und zukunftsfähig zu machen, lassen Sie mit Bulldozern und Polizei die legitimen Protestcamps im Hambacher Forst wegprügeln oder fordern Sie erbärmliche Unterlassungserklärungen ein. Das alles wird uns nicht aufhalten!

Meine Damen und Herren, es ist noch nicht zu spät! Kündigen Sie heute diesem Vorstand, stoppen Sie die Kohleverstromung und investieren Sie wenigstens diese Dividende in eine emissionsfreie Zukunft! Das sind Sie uns, Ihren Kindern, schuldig.“

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